Geschichte

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Bischofstetten - Eine Marktgemeinde stellt sich vor

"Bischofstetten, am Alpenrande, wo der Sierningbach pl├Ątschert dahin ....", hei├čt es in unserem gern gesungenen Heimatlied und damit ist schon alles ├╝ber unsere Lage in Nieder├Âsterreich - s├╝dlich der Autobahn zwischen Melk und St. P├Âlten - gesagt.

Das Marktwappen, unsere Visitkarte, zeigt auf blau-gelb gespaltenem Schild im linken Feld einen goldenen Bischofstab, im rechten zwei gekreuzte rote Winkeleisen. Der Bischofstab, der unser Wappen beinahe zu einem "sprechenden Wappen" macht, ist f├╝r jedermann einsichtig.
Dass dahinter weit mehr als nur der erste Teil unseres Ortsnamen steckt, sei kurz gestreift:
Schon im 9. Jahrhundert, also zur Zeit Karls des Gro├čen, bestand bei uns eine bisch├Âfliche Taufkirche und somit ist Bischofstetten als eine der Urpfarren ├ľsterreichs (!) zu bezeichnen.
In den folgenden Kriegswirren (Ungarneinf├Ąlle) verloren wir diese Selbst├Ąndigkeit und erlangten sie erst im 14. Jahrhundert wieder.

Die gekreuzten Winkeleisen weisen auf die erste urkundlich nachgewiesene Herrschaft - die Haager, nach dem heutigen Ortsteil Haag - hin. Der Haager Besitz ging durch Erbschaft an die R├Ądler von Sichtenberg ├╝ber, deren Siegelmotiv ein aufspringender Hund ist.
Auch dieser war als Wappeninhalt in ├ťberlegung; daher wurde die oben beschriebene Darstellung vorgezogen.
Da die Geschichte von uns Bischofstettnern immer wieder Kompromisse verlangte, wurde der R├Ądlerhund zwar nicht unser Wappentier, daf├╝r darf er selbiges tragen und es quasi bewachen - in den St├╝rmen der Zeit.

Und st├╝rmisch war die Zeit, die nach den Passauer und Regensburger Bisch├Âfen und den Herrschaften von Haag und den R├Ądlern zu erdulden war.
Da waren die T├╝rkenkriege von 1529 und 1683, die Bauernaufst├Ąnde im 16. Jahrhundert, der 30j├Ąhrige Krieg mit all seinen Grausamkeiten und immer wieder die Pest. Zwischendurch krachte sogar einmal unsere Kirche zusammen und rutschte zur H├Ąlfte ├╝ber den S├╝dhang des Kirchenb├╝hels ab. Der heute zugemauerte gotische Haupteingang an dieser Seite sowie die Reste eines gotischen Kirchenfensters zeugen nach der letzten Renovierung unserer Kirche in den 90iger Jahren davon.[1ln]

Doch unverdrossen gingen unsere Vorfahren an den Wiederaufbau.

Dieses Mal sogar mit Unterst├╝tzung von Kaiserin Maria Theresia, die f├╝r uns ordentlich in ihre Privatschatulle griff.
Als Zeichen unserer Dankbarkeit prangt heute noch ihr kaiserliches Wappen ├╝ber dem Pfarrhof und die Jahreszahl 1746 ├╝ber unserer Kirchent├╝r. Das hat aber weniger mit der Kaiserin als mit der Fertigstellung des barocken Kirchenneubaus zu tun.
Als solches ist unsere Kirche ein sehenswertes Juwel - und innen bietet sie eine Sammlung von gleich vier Kremser Schmidts mit dem Martyrium der Heiligen Agatha, unserer Pfarrpatronin im Zentrum. Je ein Seitenaltar - der Pestaltar mit Rochus und Sebastian und der zweite mit Isidor und Burg - weist auf die Lebensschwerpunkte unserer Vorfahren hin: Gesundheit - Arbeit - Brot!

Unter Kaiserin Maria Theresia wurde auch die schon 1550 belegte Schultradition wieder aufgenommen und mehr oder weniger auf "staatliche" Basis gestellt. Kaum hatten sich die Bischofstettner an den Frieden gew├Âhnt, da brachen die Greuel der Franzosenkriege ├╝ber unseren Landstrich mit Besetzung, Raub, Mord, Pl├╝nderung usw. herein. Kriegsverbrechen f├╝r die nie jemand Wiedergutmachung, Trauerarbeit oder gar ein Gedenkjahr gefordert hat.

Die Revolution von 1848 brachte durchgreifende Ver├Ąnderungen f├╝r Schul- und Kommunalwesen. Wir verbanden bei uns das Bew├Ąhrte mit dem Neugeforderten und w├Ąhlten 1850 den letzten Ortsrichter zum ersten B├╝rgermeister. Unter seinen Nachfolgern wurde der heute noch bestehende Schulneubau 1901 errichtet. So reibungslos ging es im und nach dem ersten Weltkrieg 1914 bis 1918 nicht her: 28 Gefallene waren zu beklagen, die Not f├╝r uns heute unvorstellbar.

Um diese Zeit, also um die Jahrhundertwende, wurde auch eine Verbindungsbahn von der Mariazellerbahn in Obergrafendorf ├╝ber unsere Gemeinde nach Wieselburg gebaut - als Schmalspurbahn, die wegen ihrer vielen Windungen und Kurven im Volksmund liebevoll "Krumpe" genannt wird. Damals ein infrastrukturelles Schwergewicht steht sie heute vor der Einstellung.

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Foto: Bischofstetten 1925

Sogar ein eigenes Notgeld mit unserer Agatha-Kirche als Motiv gab es damals. Arbeitslosigkeit und Massenverelendung bereiteten den Boden f├╝r den Nationalsozialismus, der sich wie ├╝berall in ├ľsterreich im Lenz des 38iger Jahres breitmachte.

Ganz in der N├Ąhe in Markersdorf wurde ein Jagdflugplatz aus dem Boden gestampft und so waren wir Fliegeralarm gewohnt als im August 1944 die ersten alliierten Bomber angriffen - noch nicht uns, aber Markersdorf. Jetzt hatten wir Hitlers "Totalen Krieg" auch bei uns.
Noch im selben Jahr baute man von der 110kv-Leitung in der Steinleiten eine Versorgungsleitung hin├╝ber zum Wachtberg, wo bombensicher ein R├╝stungsbetrieb untergebracht war - eine Au├čenstelle des KZ Mauthausen.
Der Krieg an der Heimatfront nahm an Heftigkeit zu und so wundert es niemand, dass eine abgest├╝rzte ME 109 (deutsches Jagdflugzeug) bei uns in eine Sumpfwiese st├╝rzte. Der Pilot hat ├╝berlebt und uns nach dem Krieg sogar besucht! Weiter n├Ârdlich, fast schon in der Nachbargemeinde, musste ein Bomber bruchlanden. Auch hier ├╝berlebte die Besatzung.
F├╝r die amerikanischen Jagdflugzeuge galt "freie Jagd auf Alles". Ganz im Sinne der abgeworfenen Flugzettel: "Wir lassen euch schlafen, aber nicht schaffen".
Im April 1945 wurde unsere Gegend Aufmarschgebiet der im Raum St. P├Âlten zum Endkampf angetretenen Wehrmacht - mit den bekannten Folgen. Noch im Mai sprengten abziehende SS-Verb├Ąnde unsere wichtigste Br├╝cke. Dann gab es noch Schie├čereien mit den nachr├╝ckenden Russen und eine 10j├Ąhrige qualvolle Besatzungszeit mit Raub, Mord, Vergewaltigung, Verschleppung usw. folgten Kriegs- und Nachkriegsverbrechen, f├╝r die nie jemand etwas einfordern durfte.

Und wieder - wie schon so oft in unserer Geschichte - spuckten wir uns in die H├Ąnde und schafften ein Aufbauwerk, das sich sehen lassen kann: Dinge, die einmal installiert und in Betrieb genommen, als selbstverst├Ąndlich und allt├Ąglich hingenommen werden.
Ob es sich nun um die Ortswasserleitung oder um die Abwasserbeseitung, asphaltierte Stra├čen oder massive Br├╝cken, um den zweigruppigen Kindergarten oder die vierklassige Volksschule mit einem der modernsten Turns├Ąle im Bezirk usw. handelt.

Gut, dass diese Grunds├Ąulen einer zeitgem├Ą├čen Lebensqualit├Ąt auch unserer Landesregierung nicht verborgen blieb und so wurde 1990 unser Dorf von Landeshauptmann Siegfried Ludwig pers├Ânlich zur Marktgemeinde erhoben.
So pr├Ąsentiert sich heute unser Markt mit einer historisch gewachsenen Lebensqualit├Ąt, die einen Zuzug durchaus ├╝berlegenswert macht und die vor ├╝ber 1000 Jahren einmal mit einem Bischofsstab und zwei gekreuzten Winkeleisen am Sierningstrand begonnen hat.