Am 10. Dezember fand im Dorfzentrum Bischofstetten ein sehr gut besuchter Informationsabend zum Thema „Gewalt erkennen und reagieren“ statt, der eindrucksvoll gezeigt hat, wie wichtig Zivilcourage und ein gemeinsames HINSCHAUEN statt WEGSCHAUEN in unserer Gemeinde sind.
Die Marktgemeinde Bischofstetten setzte den Informationsabend bewusst auf den 10. Dezember, den Internationalen Tag der Menschenrechte und zugleich letzten Tag der weltweiten UN-Kampagne „Orange the World – 16 Tage gegen Gewalt“. Diese Kampagne macht jährlich vom 25. November bis 10. Dezember auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam und ruft zu klarer Solidarität und einem deutlichen Nein zu Gewalt und Ungleichbehandlung auf. In Bischofstetten wurde der Bogen bewusst weiter gespannt: Gewalt hat keinen Platz in unserer Gesellschaft – weder gegenüber Frauen noch gegenüber Männern.
Unter dem Motto „HINSCHAUEN statt WEGSCHAUEN“ wurde deutlich, dass Gewalt viele Gesichter hat: physische, psychische, sexuelle und zunehmend auch digitale Gewalt („Cyber-Gewalt“). Gleichzeitig wurde betont, dass auch Zivilcourage viele Gesichter hat – nämlich uns alle, die bereit sind, genauer hinzusehen, nachzufragen und Hilfe zu organisieren, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Ein zentraler und erschütternder Befund des Abends: Laut einer Erhebung von Statistik Austria hat etwa jede dritte Frau zwischen 18 und 74 Jahren in Österreich seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.
Referentinnen, Polizei und Angebote
DSA Gertraude Kaindl von der Lilith Frauenberatung stellte die vielfältigen Angebote der Einrichtung vor – von psychosozialer Beratung über Unterstützung bei Gewalterfahrungen bis hin zu Vernetzung mit anderen Hilfseinrichtungen. Dabei wurde betont, dass Gewalt alle sozialen Schichten und Altersgruppen betreffen kann und Beratung kostenlos und vertraulich ist. Frau Dr. Barbara Grohmann-Izay beleuchtete die „Psychologie der Zivilcourage“ und zeigte praxisnah, dass Mut lernbar ist, etwa durch kleine, gut überlegte Schritte, das Einüben von Handlungsoptionen und die sogenannte „5-A-Strategie“ (Ansprechen, Ablenken, Andere holen, Aufzeichnen, Achtgeben), bei der die eigene Sicherheit stets im Vordergrund steht. Polizeiinspektorin Petra Strohmayr (PI Melk) und Stefan Kalteis von der Polizeiinspektion Mank berichteten aus der Praxis, erklärten Schutzmöglichkeiten wie Betretungs- und Annäherungsverbote und unterstrichen, dass rund um die Uhr professionelle Hilfe über die Polizei erreichbar ist.
Bedeutung für die Gemeinde
Besonders erfreulich war die engagierte Mitarbeit, Fragestellungen und die Diskussion der Besucherinnen und Besucher - Frauen wie Männer - sowie die Anwesenheit von VS-Direktorin Sabine Reichly und Bürgermeisterin Brigitte Thallauer aus St. Margarethen an der Sierning als wichtige Multiplikatorinnen. Zivilcourage beginnt im Alltag, im Hinschauen, im Ernstnehmen von Betroffenen und im Wissen, wohin man sich wenden kann – damit Bischofstetten ein Ort bleibt, an dem Gewalt keinen Platz hat.